Testing the MALLETT's


Eine sauber frisierte Corvette

FAHRBERICHT CORVETTE VON MALLETT/

Wer mit dem serienmässigen Leistungspotential der Corvette von Chevrolet unzufrieden ist, wird von der Tuningbranche nicht allein gelassen. Hier stellt sich eine Corvette mit mehr Pfeffer vor.

Jürg Wick

Wir können uns nicht daran erinnern, Reklamationen bezüglich der Potenz der 1997 lancierten fünften Corvette-Generation abgegeben zu haben. „Begeisterndes Power Team" schrieben wir anlässlich des Tests in AR 36/97. Aber es gehört zu den unumstösslichen Realitäten der Leistungsgesellschaft, dass ausgerechnet die Kunden der potentesten Autos mit dem Poweroutput unzufrieden sind, und schnurstracks zum Tuner fahren. So hat sich auch die legendäre Corvette zu einem beliebten Frisierobjekt entwickelt. Die damit beschäftigten Firmen gedeihen prächtig. Nie war die Ausgangsbasis so gut wie der aktuelle C5. Callaway ist legendär, hat sogar einen Ableger in Europa gegründet, Lingenfelter ist besonders unzimperlich, offeriert in den USA Vettes mit über 450 PS. Nun versucht sich auch die Mallett Cars LTD in Berea, Ohio im professionellen Corvette-Tuning, nachdem sowohl rennsportliche als auch handgestrickte Tuningerfahrungen gesammelt worden sind. Und weil es in der Schweiz offensichtlich besonders viele Powerfreaks gibt, hat die Mallett Cars mit der US Car Connection AG im zürcherischen Wädenswil einen Partner, der mehr als nur einzelne Exemplare absetzen will, sie stellt sogar am Genfer Salon aus.

Da steht die Mallett-Corvette, liegen wäre bildlich gesprochen treffender, denn die dunkelblaue Flunder ist gegenüber der Stockversion nochmals um 1,5 Inches tiefergesetzt. Der Chef Frank Appenzeller bedauert, dass momentan „nur" der Mallett 396 verfügbar ist, dies sei aber „der ideale Kompromiss". Mit 396 sind die Horse Power gemeint (Serie 344 PS), darüber hinaus ist noch ein 435er verfügbar, bei dem der Hub des 5,7-Liter-Motors so weit gestreckt wird, dass 6,1 Liter und 435 PS resultieren. Ehrlich gesagt, wir waren auch mit dem „396" bestens zufrieden. Die zusätzlichen 52 Pferde galoppieren hauptsächlich wegen einem überarbeiteten Ventiltrieb, einer adaptierte Motorelektronik und dank einem modifizierten Ansaugkollektor auf. Runde 530 Newtonmeter Drehmoment stellen an das Getriebe unerhörte Anforderungen. Während der offizielle Corvette-Importeur voll auf die Automatik setzt, sieht Appenzeller seine Nische bei den handgeschalteten Sechsgängern. Ein tierisches Arbeitsgerät. Eine „kann vor Kraft schier nicht mehr laufen" Maschine. Überraschung nach dem Starten: Der Small-Block V8 schnarchelt zufrieden vor sich hin, Treten der Kupplung und das Einlegen des ersten Ganges erfordern keinen besonderen Kraftaufwand. Aufgeweckt nimmt die Maschine gelassen Drehzahl auf, sofern man will. Unbekümmerter Gaseinsatz quittiert das Stossstangenaggregat mit Brachialgewalt, der V8 hämmert irre rasch dem Drehzahlbegrenzer entgegen, der Gangwechsel vollzieht sich leichtgängig. Im zweiten Gang auf über 130 km/h! KEIN GANG FÜR ALLE LEBENSLAGEN. Kommen wir schmerzlos auf den Punkt. Ein Sechsganggetriebe ist das Letzte was die Corvette braucht. Aber es macht Spass. Trotz des gewöhnungsbedürftigen „Billet"-Aluschaltknopfes made by Mallett.

Die Werksuntersetzung 3,42 an der Hinterachse und das Corvette-Sechsganggetriebe bleiben unangetastet. Das sind übersetzt knapp 1600 Touren bei 120 km/h im obersten Gang (0,5:1). Lässt man sich auf 50 Km/h zurückfallen, droht das Abwürgen der Maschine, denn innerorts fährt der 396er im sechsten Gang unterhalb der Leerlaufdrehzahl. Aber er fährt, schlaff, aber immerhin:

80-120 km/h im VI Gang in 15 sec. ist ordentlich
80-120 km/h im V Gang in 9 sec. ist schnell
80-120 km/h im IV Gang in rund 5 sec. ist blitzartig,
80-120 km/h im III Gang in weniger als 4 sec. ist brutal und
80-120 km/h im zweiten Gang kann man von Hand nicht mehr einigermassen präzise messen.

Eine Stockvette mit Automatik kann das freilich mit weniger Aufwand genau so gut, muss dem Mallett nur beim Beschleunigen aus dem Stand den Vortritt lassen. Versprochen werden 4,6 sec. für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h (Standard-Corvette mit Automatik 5,9 sec.), als Spitze sind 294 km/h im Angebot. Ausserhalb abgesperrter Rennstrecken kommt jedenfalls kaum der Wunsch nach mehr Pferdestärken auf. Für den 435er touchieren die Werte das Fabulöse: 0-100 km/h 4,1 sec, über 300 km/h. Wahlweise steht eine 3,7.1 Achse zur Verfügung. Danke das genügt, vorteilhafterweise handeln wir mit dem Reifenlieferanten ein Abonnement aus, um die Kautschuckkosten in den Griff zu kriegen. Serienmässig trumpft die Corvette zum Glück mit einer Traktionskontrolle und einer aktiven Fahrwerksregelung auf, anders liesse sich die ungestüme Kraft kaum bändigen. Unterhaltsam ist, dass die TCS einen gewissen Spielraum lässt, bevor die Elektronik dazwischen funkt. So kann ansatzweise ein Drift gelingen. Ausgeschaltet wechselt die Mallett-Corvette auf nasser Strasse blitzartig die Fahrtrichtung, sofern der Gasfuss unvorsichtig agiert. Ein Fall für ganz Unerschrockene. Die Abstimmung ist sauber gelungen, wie das gern zitierte Brett saugt die Vette Strassenbiegungen auf, gibt sich handlich. Schade halt, dass die Fahrzeugbreite von 187 cm den Spieltrieb einschränkt.

Im Komfortbereich bestätigt sich der von Appenzeller angedeutete Kompromiss: Trotz nochmals breiteren Reifen, Tieferlegung, geänderter Achsgeometrie und Penske Rennstossdämpfern prügelt die Corvette die Insassen nicht weich, sondern vermittelt den Eindruck, Unebenheiten etwas geschmeidiger zu absorbieren, als das Serienpendant. Der Grund könnte bei den Michelinreifen liegen (vorn 265/35 ZR-18, hinten 295/35 ZR-18). Serienmässig läuft der Sportwagen von Chevrolet bekanntlich auf Goodyear EMT-Reifen, welche nach einem Luftverlust weiter für eine begrenzte Mobilität sorgen, wofür härtere Flanken eingearbeitet sind. Für ein Reserverad gibt es im Sportchevy keinen Platz, im Mallett liegt ein Kompressorgerät. Der 396er Mallett-Corvette wird ausserdem ein Satz Hochleistungsbremsbeläge spendiert, sofern sie warmgeschmirgelt sind, beissen sie giftig zu. ABER DAS SCHÖNSTE hält die Chromstahl-Auspuffanlage mit speziellen Endschalldämpfern und Trompetenendrohren unter Verschluss, wenn der Motor abgestellt ist. Ein melodiöses Gedicht sobald die acht Kolben zu oszillieren beginnen, dieses Grollen, wie wenn ein böses Gewitter das Glarnerland heimsucht, dieses metallerotische Hämmern unter Last, und erst recht dieses sehnsüchtige Bollern, wenn der Fuss vom Gas steigt. Das beim Cruisen unterschwellige Brabbeln ist die Schaumkrone eines breiten Spektrums von ausgeprägten V8-Soundgenüssen. Eine wunderbare Komposition aus süchtigem Ansaugen, lockerer Arbeit, hubgewaltigem Verbrennen und sündhaftem Abgasen. Eine gekonnt komponierte Abstimmung, weder nervend noch nach aussen aufdringlich - die Lärmnormen hat auch ein Mallett zu erfüllen - aber auf Abruf stets zur Stelle. Im Stand bebt das ganze Auto leicht, ein Anzeichen, dass heisse Nockenwellen am rotieren sind. Ein Suchtmittel für Gutbetuchte, denn billig ist die Mallett-Conversion nicht (siehe Kasten).

Aber sehr professionell, was auch aus der Liste der verfügbaren Sportoptionen herausgeht, und endgültig klar macht, das die C5-Corvette kein Blondwildjäger mehr ist, sondern eine lohnende Basis für Sport- und Renneinsätze. Schon das Potential der normalen Corvette hat eindrücklich bewiesen, dass der 5,7-Liter-Chevymotor, inzwischen mit Aluzylinderköpfen und Alublock versehen, weder auf obenliegende Nockenwellen, noch auf vier Ventile pro Zylinder angewiesen ist, um mit den potentesten Sportwagen aus Europa mitzuhalten.

 

Mallett Conversions

Mallett Cars Ltd. verweist auf eine fast 40 jährige Erfahrung im Rennsport, liefert zur C5-Corvette verschiedene Tuningkomponenten und fabriziert zur Zeit zwei Komplettmodelle in den Leistungsstufen 396 und 435 PS. Im Vordergrund sollen gemäss Firmenphilosophie nicht Optik und Spoiler stehen, sondern Agilität, Bremsen, Motorleistung und Drehmoment. Die US Car Connection AG in Wädenswil/ZH, (Tel 01780 06 36) importiert beide Versionen in die Schweiz. Die Preise verstehen sich ab MfK, inkl. Mehrwertsteuer, und beinhalten eine Fahrzeuggarantie von zwei Jahren. Die Preise für 6-Gang-Ausführung und Automatik sind gleich, beim 435 ist aber eine Verstärkung des Automaten obligatorisch (Fr. 3 900.-).

Mallett Corvette (6 G + Autom.)
435 6,1 L
396 5,7 L
Coupe/Targa
CHF 146 000.-
118 000.-
Cabrio
154 000.-
126 000.-
Hardtop
139 000.-
111 000.-

 

 

 

Mallett Corvette-Optionen

 
HD-AluWasserkühler inkl Getr.Oel CHF 1500.-
Getriebeölkühler mit Pumpe
2350.-
Kürzere Hinterachsübersetzung
3900.-
Kürzere Achswellen hinten inkl. 13" Felgen mit Reifen 335
5500.-
Carbon-Fiber Bremsanlage
14800.-
IMSA-Überrollkäfig
8600.-
Überrrollbügel 4-Punkt
3450.-
Rennsitze ohne el. Verstellung
4050.-
Chromstahl Bremsleitungen
400.-
Spezialstabilisator vorne
100.-

 

 

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